• Gabriele Müller

Warum sich Hunde selten versöhnen

Aktualisiert: 7. Aug 2018


Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Two_Grey_Wolves

ORF.at hatte vor kurzem einen interessanten Beitrag unter dem Titel „Warum sich Hunde selten versöhnen“ (Link: https://science.orf.at/stories/2922461). Das hat mich veranlasst, meine Sicht auf diese Dinge zu schreiben.

Da unsere Hunde heutzutage nicht mehr auf ein Rudel angewiesen sind, verhalten sie sich viel nachtragender. Wenn Tiere miteinander streiten, verraten sie auch etwas über ihr Verhaltenserbe. Wölfe und Hunde leben heutzutage in verschiedenen Welten. Wir verdammen unsere Hunde großteils als Einzeltier in einem Menschenrudel zu leben, wo sie meist nur bei Spaziergängen auf Artgenossen treffen. Kommt es zu einem Problem unter den Hunden, ist es unter Hundebesitzern üblich, sich sofort aus der „gefährlichen Situation“ zu entfernen. Sie trennen die Hunde, ohne ihnen die Möglichkeit zu geben, sich zu versöhnen oder friedlich auseinander zu gehen. Damit bleibt das Zusammentreffen als negative Erfahrung im Kopf des Hundes gespeichert. Versöhnung nach dem Streit ist somit nicht möglich. Bei einem neuerlichen Treffen begegnen sich diese Hunde bereits angespannt.

Im Wolfsrudel ist man aufeinander angewiesen und muss zusammenhalten, um die Familie zu schützen. Das Motto ist: „Gemeinsam stärker!“. Interner Streit und Kämpfe schwächen das Rudel nach außen hin. Wölfe regeln sechs von zehn Konflikten nur mit Körpersprache ohne Kontakt wie Beißen oder Niederstoßen. Gegenseitige Nähe nach Konflikten helfen wieder Frieden untereinander zu schließen.

Als Folge der Domestizierung sind Hunde im Gegensatz zu Wölfen nur „unverbindlich sozial“. Wölfe sind aufeinander und auf eine funktionierende soziale Gruppe angewiesen. Sie jagen im Rudel, verteidigen ihr Gebiet als Gruppe und ziehen gemeinsam ihre Jungen auf. Hunde müssen sich hingegen eher mit den Menschen gutstellen als mit Artgenossen. Unsere Hunde haben „Versöhnen“ verlernt und tendieren dazu, sich nach dem Streit stets aus dem Weg zu gehen. Wölfe dagegen verbringen nach einem Konflikt mehr Zeit miteinander, wobei die Versöhnung meist vom unterlegenen, rangniedrigeren Tier ausgeht.

Wölfe arbeiten bei Problemlösungen auch besser zusammen als Hunde. Eine Forschergruppe um Sarah Marshall-Pescini am Wolf Science Center der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat herausgefunden, dass Wölfe und Hunde, die beide in Rudeln und an Menschen gewöhnt aufgezogen wurden und denen eine spezielle Aufgabe gestellt wurde, unterschiedlich interagieren: „Hinter einem Zaun lagen unerreichbar für sie Futter auf einem Tablett. Zwei Tiere konnten das Futter zu sich heranziehen, wenn sie gleichzeitig jeweils an einem Ende eines Seils zogen, das um das Tablett gefädelt war. Hunde agierten auch hier als Einzelgänger. Wir Menschen tendieren dazu, unseren Hunden sofort bei kleinen Herausforderungen zu helfen anstatt sie einen Lösungsweg suchen zu lassen. „Zuviel des Guten schadet ihnen somit später!“ Wölfe sind zwar vorsichtiger aber viel neugieriger als unsere Hunde.

Hunde würden sich also ähnlicher wie Wölfe verhalten, wenn sie auch in ähnlich sozialen Gefügen leben müssten. Durch die Gewöhnung an den Menschen, sind sie aber meist primär Einzelgänger, die mehr am Besitzer als an anderen Artgenossen orientiert sind.


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